Dmitri Gluchowski · Registrierung
9.
Sie föhnte sich die Haare trocken, kämmte sich und zog einen rosa Hausanzug an. Das Image: „braves Mädchen“. Wie befohlen ging sie in die Küche zu Tante Marina.
— Kann ich helfen?
— Leg die Fischchen aufs Blech und beträufle sie oben mit Olivenöl. Wir schieben sie gleich in den Ofen, der ist schon heiß.
— Wieso sind es denn nur drei Stück? Isst Kirill nicht mit?
— Nein, er hat angerufen, er geht wieder mit Freunden in eine Bar. Sommer, du weißt ja, die jungen Leute.
— Das wissen wir nur zu gut.
Uljana massierte die Barsche mit Öl ein und presste noch eine Zitrone darüber aus. Tante Marina öffnete den Ofen — zweihundert Grad Hitze schlugen ihnen entgegen — und schob das Blech mit den Händen in wattierten Ofenhandschuhen hinein.
— So. Jetzt stellen wir zwanzig Minuten.
— Und was kann ich noch machen?
— Erst mal nichts. Der Reis wird gleich fertig, dann nehmen wir ihn vom Herd. Setz dich doch. Vielleicht einen Schluck Cognac?
— Nein, ich trinke nicht. Danke.
Tante Marina nickte freundlich, so nach dem Motto: Ich zwing dich nicht. Sie setzte sich auf die Stuhlkante und berührte Uljanas Finger. Die zog sie erschrocken zur Faust zusammen.
— Wie geht es Sascha?
So zärtlich, so umhüllend klang ihre Stimme. Uljana streifte sie mit einem Blick und dachte: Das ist wohl keine Zärtlichkeit, sondern Vorsicht. Tante Marina fasste sie mit ihren wattierten Ofenhandschuhen an, weil auch von Uljana zweihundert Grad Hitze ausgingen.
— Nicht besonders. Also, er tut so, als wäre alles in Ordnung, aber … na ja.
— Das ist alles so schrecklich … — Tante Marina schüttelte den Kopf.
Ihre Stimme war sonst tief und angenehm — jetzt knarrte sie wie eine Brunnenwinde. Spielte sie? Nein, so etwas zu spielen wäre nun wirklich … Seltsam.
— Ich möchte dich um etwas bitten … Sei Max nicht böse, dass er sich so benimmt. Du gefällst ihm eigentlich.
Ja, klar.
Tante Marina streichelte sie noch einmal, über den Handrücken, als wollte sie ein Waldtier zähmen. Diesmal zuckte Uljana nicht zurück, sie wartete ab, was als Nächstes kam.
— Okay.
— Das ist das Schwerste, weißt du? Die Zeiten sind gerade so nervös.
— Allerdings, — stimmte Uljana zu. — Da lässt sich nichts gegen sagen.
— Bist du ganz sicher, dass du keinen kleinen Schnaps trinken willst, solange er unterwegs ist? — Tante Marina sah Uljana fragend, beinahe flehend an.
— Ganz sicher. Aber Sie können ruhig trinken, Tante Marina.
— Ich darf nicht. Mit dir würde ich eine Ausnahme machen, aber so … Na gut.
— Warum dürfen Sie nicht? — fragte Uljana.
— Na ja … Mit Antidepressiva verträgt es sich schlecht, — Tante Marina lächelte. — Da kann es alle möglichen Nebenwirkungen geben.
— Ach so.
Nun verstand sie die Schlaffheit ihrer Tante, ihren gebrochenen Ton und das Knarren in der Stimme; und weil Tante Marina ihr das anvertraut hatte, wurde Uljana weicher und ließ die innere Feder etwas lockerer.
— Ich wollte meinen Gedanken noch zu Ende bringen … Die Zeiten sind nervös, aber vor allem … Vor allem sind wir nicht schuld daran, verstehst du? Wir sind hier alle Geiseln. Du auf deine Weise, ich auf meine, Max … Schuld ist eine Macht, vor der wir nur Staub sind, ein Nichts. Mikroben. Und eigentlich sind wir nicht aufeinander wütend, sondern auf sie. Aber gegen sie können wir nichts tun, und es macht uns sogar Angst, darüber zu reden. Und weil wir Angst haben, geht es uns noch schlechter. Also lassen wir es aneinander aus … Hetzen die Hunde aufeinander. Auf die Familie, auf Freunde. Bei den Eigenen darf man die Beherrschung verlieren, vor den Eigenen hat man keine Angst. Stimmt’s? Dabei denkt keiner daran, dass man so seine letzten nahestehenden Menschen verlieren kann … Und wenn man Verwandte, Freunde einfach so im Streit … von sich stößt? In solchen Zeiten erst recht. Schlimmeres kann man sich kaum vorstellen. Ganz allein dazustehen.
Uljana nickte: ja. Ganz von selbst nickte sie.
Mit Tante Marina hatte sie im Grunde überhaupt nichts auszusetzen. In den anderthalb Malen, in denen sie ihre Nichte in ihrem ganzen Leben gesehen hatte, war sie immer freundlich zu ihr gewesen. Offenbar hatte sie ihre Cousine, Uljanas Mutter Ira, geliebt, und etwas von dieser Liebe war über die mütterliche Seite auch bei Uljana angekommen.
— Ich versuche, Max das alles klarzumachen. Aber er ist, weißt du … wie in einem Panzer.
— Das sehe ich, — schnaubte Uljana. Für eine Sekunde entspannte sie sich und legte eine Hand auf den Bauch.
— Bist du zufällig schwanger? — fragte Tante Marina plötzlich.
Sie hatte Uljana kalt erwischt, voll ins Schwarze getroffen. Uljana japste auf, zog sich zusammen; sie wollte die Mundwinkel zu einem Lächeln hochziehen, aber sie rutschten nach unten.
Tante Marina verstand es wortlos, rückte zu ihr und nahm sie in den Arm.
— Für wen ist er denn sonst losgezogen, um Sekt zu holen? — flüsterte sie.
Uljana zuckte nur mit den Schultern. Tante Marina hielt sie noch einen Moment und ließ sie dann los. Sie atmete ein und aus. Der Ofen piepte.
— Aber hast du denn gar keine Angst?
— Was soll schon sein, — sagte Uljana.
• • •
Als Mama erfuhr, dass Saschka jetzt keine Beine mehr hatte, war es aus.
— Ich rufe ihn an, hörst du, und sage: Sascha, stell dir vor, was für eine Freude, du bist gefunden worden. Und er sagt zu mir: Mama, reg dich bloß nicht auf, ich … mir haben sie die Beine amputiert. Ich frage: Wie bitte, amputiert? Ja, sagt er, eins bis zum Knie, und das andere fast bis zum Arsch. Es war Wundbrand, sagt er. Der Arzt hat nicht erlaubt, es dranzulassen.
— Ach, was für ein Unglück … Ein Unglück … Mein Sanetschka … Mein Sanetschka … Ach … Ach …
— Heul doch nicht so. Hauptsache, er lebt. Gestern dachten wir noch, er wäre tot, und heute lebt er schon wieder.
— Ach, mein Sascha, mein Sanetschka!
— Mama! Ich hab dich gebeten!
— Na gut … Na gut … Ach …
Wenn du so heulst, kriegst du wieder einen Herzanfall. Heul nicht, sag ich dir.
— Aber wie denn?
— Ich heule doch gar nicht!
— Aber du, Tanjka, bist ja hart wie ein Brett. Was für eine dicke Haut du hast. Dir kann doch nichts passieren.
— Schluss jetzt, Mama! Geh und nimm deine Valocordin-Tropfen, fertig!
So war das Gespräch verlaufen. Tatjana legte auf und saß eine Weile schweigend da. Sie war ihrer Mutter böse wegen des Spruchs mit der dicken Haut. Das jetzt zu sagen, war unfair.
Als Tatjana von Saschka und seinen Beinen erfahren hatte, war ihr nur eines klar geworden: Jetzt würde es nicht mehr so laufen, wie sie wollte, sondern so, wie es sein musste. Sie musste nach Moskau fahren. Sie musste bei ihrem Sohn bleiben. Sie musste ihn da rausholen. Für den Rest ihres Lebens würde sie jetzt irgendetwas müssen.
Sie bat Swetka, nach den Zahlungen zu suchen. Ohne Beine war man doch behindert, und zwar gleich in der ersten Gruppe. Verlust der Arbeitsfähigkeit. Swetka suchte und suchte und fand auf ihrem Handy, dass es bei schweren Verwundungen Präsidialzahlungen von drei Millionen gab, für die Behinderung noch eine Million und bei Entlassung aus dem Dienst dann beinahe noch einmal drei. Als sich diese Millionen auftürmten, wenn auch nur in ihrer Vorstellung, ließ die Anspannung bei Tatjana sofort nach. Das war doch etwas anderes. Damit konnte man die Hypothek abbezahlen, und es bliebe noch etwas übrig. Mehr, als wenn Saschka drei Jahre gedient hätte.
Sie nahm selbst Valocordin und rief Uljanka an. Sie musste es tun, wenn sie es versprochen hatte. Sie hatte schon überlegt, selbst zu fahren, Uljanka nicht neben sich im Zugabteil ertragen zu müssen, aber na gut. Noch ein Grund: Es wäre besser, sie bei sich zu behalten, wenn sie zu Saschka fuhr. Sonst würde sie womöglich anfangen, ihm vorzuheulen, dass seine Mutter sie zu einer Abtreibung überreden wollte, und Saschka war so empfindlich. Nicht, dass sie die beiden noch auseinanderbrachte, Gott bewahre. Er war schließlich verwundet, brauchte er das? Nein, während der Fahrt im Abteil konnten sie unter Frauen alles aus der Welt schaffen und sich versöhnen.
Oder hatte sie vielleicht schon abgetrieben?
Zuerst hatte sie gehofft, dass sie es schon getan hätte. Dass Uljanka sie in Ruhe ließ, sich nicht an Saschka heranmachte, keine Ansprüche stellte. Dann aber fiel Tatjana ein, dass er nun beinamputiert war. Ein Beinamputierter würde es schwer haben, eine andere Braut zu finden. Und hier war die Sache schon, sozusagen, geklärt. Eine von uns, eine Bekannte. Und wenn er sie heiratete, würden sie eben noch einmal so viel von den staatlichen Entschädigungen für den Beinverlust kassieren, wie Tatjana sich vom Sold gedacht hatte. Es würde für sie alle reichen. Jetzt musste sie nur noch das Verhältnis wieder in Ordnung bringen. Uljanka an die Kandare nehmen.
Aber würde sie überhaupt bei ihm bleiben? Als Tatjana Uljanka zum ersten Mal gesehen und von dem Massagesalon erfahren hatte, war ihr sofort klar gewesen: Auf die ist kein Verlass. Massagesalon oder Puff, das ist doch kaum ein Unterschied. Wenn man erst einmal begriffen hat, wie leicht sich mit der Muschi Geld verdienen lässt, geh danach mal in der Geflügelfabrik malochen und schnupper Vogelscheiße. Da kriegt man wohl kaum Lust drauf. Brauchten sie so eine Schwiegertochter im Haus?
Und trotzdem …
Na, soll kommen, was will.
Im Hörer piepte es immer weiter, lang und mückenhaft. Tatjana wollte schon aufgeben, da kam Uljanka endlich zu sich.
— Ja, Tatjan-Nikolawna. Guten Abend.
— Das hat aber gedauert! Störe ich?
— Nein, nein. Wie geht es Ihnen? Gibt es Neuigkeiten?
— Was soll es schon für Neuigkeiten geben … Du weißt ja. Hör mal. Ich überlege, hinzufahren. Fährst du mit? Du wolltest doch.
— Wann wollten Sie denn fahren?
— Na, meinetwegen schon morgen früh.
Uljanka überlegte am anderen Ende irgendetwas. Tatjana wartete und wartete, dann hielt sie es nicht mehr aus: Na, wenn du nicht willst, dann eben nicht. Ich hab’s dir jedenfalls angeboten.
— Oder musst du arbeiten?
Da wurde sie munter.
— Ja, die Arbeit, Tatjan-Nikolawna! So kurzfristig kann ich mich nicht freinehmen. Vielleicht morgen Abend? Es gibt doch Nachtzüge nach Moskau.
— Gibt es die? Ich hab noch nicht nachgesehen.
— Früher gab es immer welche.
Abends? Hand aufs Herz, abends wäre es auch Tatjana selbst lieber. Sie könnten in Ruhe das Kinderzimmer fertig machen, wenigstens für zwei Tage Kohlsuppe kochen, damit die nicht trockenes Zeug aus dem Kühlschrank fraßen, und dann wirklich den Nachtzug nehmen. Außerdem mussten sie irgendwo wohnen, und so einfach würde man wohl nichts finden.
— Na gut, dann fahren wir abends.
Saschka würde eben warten, es würde ihm schon nichts passieren.
• • •
Uljana kam völlig aufgedreht an den Tisch zurück. Sie hatte sich zwar einen Aufschub verschafft, aber trotzdem. Alles ging schnell, schneller, als ihr lieb war, und vor ihr lag eine Zeit, in der sie weder sich selbst noch irgendjemand anderen würde schonen können.
Sie legte die Hände auf den Tisch, aber sie zitterten. Also nahm sie sie auf den Schoß.
Onkel Maxim kam mit dem nutzlosen Champagner von draußen zurück. Zwar schien er sich unterwegs abgekühlt und ausgepustet zu haben, aber das Gespräch wollte trotzdem nicht in Gang kommen. Man hörte, wie die Messer über das Porzellan schabten. Zu Hause aß Uljana bei einem Streit vor dem Fernseher, damit die Stille ihr nicht so sehr in den Ohren lag; hier aber war sogar der Fernseher verboten. Wozu hatten sie ihn dann überhaupt gekauft?
Nur Tante Marina sah Uljana immer wieder vielsagend an und lächelte leise, als wollte sie sagen: Da haben wir beide also ein Geheimnis vor ihm. Aber nach dem Gespräch mit Saschas Mutter hatte sich die Saite, auf der man Uljana spielen konnte und die dann leise sang, viel zu sehr gespannt; jetzt klang sie viel zu hoch und bedrohlich. Uljana hörte es schon in sich selbst, Tante Marina noch nicht.
Sie hatten den ganzen Salat zerschnippelt und zerkaut, nun war der Fisch dran. Wieder die Ofenhandschuhe, wieder wehte ihnen aus dem Ofen ein Hauch wie aus der Hölle entgegen — Tante Marina richtete die Barsche sorgfältig an, und es roch nach Rosmarin. Sie lösten das Fleisch von Gräten und Fasern. Zwei Gläser mit Bläschen standen unberührt da, nur Onkel Maxim schenkte sich nach. Und je mehr er nachschenkte, desto mehr blubberte irgendeine Scheiße in ihm hoch. Man sah es — sein Tick verriet ihn. Mal rümpfte er die Nase, mal verzog er den Mund, mal kniff er die Augen zusammen. Nein, mit seiner Vorstellung war er noch nicht fertig, erkannte Uljana.
— Worauf haben wir noch nicht getrunken? — sagte er.
— Auf Saschas Gesundheit, — antwortete sie entschieden.
— Na los, dann trinken wir auf Saschas Gesundheit.
Uljana hob ihr Glas und nippte daran. Tante Marina tat es ihr vorsichtig gleich und warf ihrem Mann zur Warnung einen Seitenblick zu. Onkel Maxim nahm einen großen Schluck und sparte nicht daran. Dann klopfte er mit dem Fingernagel ans Glas: Es klang sehr hoch und dünn.
— Du warst doch bei ihm? Was sagt er?
— Was soll er schon sagen? Er gewöhnt sich daran. Überlegt, wie es weitergeht. Das ist schon mal gut.
— Gut?
— Na und? In seiner Lage.
— Und denkt er … na ja … denkt er überhaupt über seine Lage nach? Darüber, wie er da hineingeraten ist?
— Maxim, — fiel Tante Marina ihm ins Wort.
— Nein, ist schon okay, Tante Marina.
— Maxim, der Mann hat einen Einberufungsbescheid bekommen. Worüber soll er da noch nachdenken? Es gibt kein Entkommen, er ist aufgestanden und losgegangen. Schon wieder redest du von unserem hohen Ross aus …
Onkel Maxim nahm noch einen größeren Schluck, verschluckte sich an den Bläschen und verzog das Gesicht. Auf seine Frau wollte er nicht hören. Er wollte Uljana weiter auseinandernehmen, sie ebenfalls in Gräten und Fasern zerlegen.
— Und wie sind wir alle in diese Lage geraten? Na gut, er vielleicht. Aber du?
— Was ich?
— Na, überlegst du, wie und warum wir alle an diesem Punkt gelandet sind?
— Wer ist „wir“?
— Maxim.
— Wir, das sind du, er, ich, Marina. Wir alle. Wie ist es dazu gekommen?
— Könnten Sie vielleicht gleich zur Sache kommen?
Uljana legte das Messer hin und rückte vom Fisch weg, von dem sie erst ein wenig gegessen hatte.
— Uljasch, lass das. Das musst du nicht …
— Also überhaupt kein Nachdenken.
— Komplett null, — sagte Uljana und sah ihrem Onkel frech in die Augen.
Wenn sie euren Fisch samt Belehrungen essen soll, dann können sie mich mal. Alle Papiere sind fertig, morgen wird sie in einem Secondhand-Schleier heiraten, die Beziehung wird offiziell eingetragen, und dann fängt etwas ganz anderes an. Dort wird ihr keiner mehr Moralpredigten halten und ihr Vorschriften machen — dort wird Uljana nicht mehr zu Gast im Leben sein, sondern ihre eigene Herrin.
Auch der Onkel legte sein Besteck hin.
— Ich bin ehrlich gesagt einfach fassungslos. Da nimmt man dir deinen Freund weg. Vielleicht schicken sie ihn in den Tod, unter irgendeinem völlig schwachsinnigen, hanebüchenen Vorwand.
— Maxim! Hör auf, verderb nicht allen das Abendessen!
— Marinoschka, glaubst du wirklich, dass sich dieses herrliche Abendessen so leicht verderben lässt?
— Ich bitte dich …
— Und ich bitte dich! Kann ich wenigstens bei mir zu Hause Schwarz schwarz und Weiß weiß nennen? Bei der Arbeit: Klappe halten, auf der Straße: Klappe halten! Kann man zu Hause wenigstens die Wahrheit sagen, ohne Angst zu haben? Kann ich zu Hause wenigstens nicht von einer „militärischen Spezialoperation“, sondern von einem Krieg sprechen?
Uljana grinste.
— Und warum halten Sie auf der Straße den Mund? Das tun Sie doch nicht.
— Und warum hältst du den Mund? Deinen Freund haben sie dir weggenommen! Einfach wie einen Leibeigenen gepackt und mitgenommen! Sie machen euch beiden das ganze Leben kaputt. Sie nehmen einen Menschen und jagen ihn durch den Fleischwolf. Und als wäre das nicht genug, machen sie ihn auch noch zu einer Waffe … Na gut. Nein, gar nichts ist gut! Zu einer Mordwaffe. Und wird dir denn immer noch nichts klar? Du bist doch eigentlich kein dummer Mensch, Uljanotschka!
Vielleicht war es das, was ihr den Rest gegeben hatte. Ein roter Schleier hatte Onkel Maxim eingehüllt. Wäre Uljana noch die Alte gewesen, hätte sie vielleicht den Blick gesenkt und weiter ihren Barsch gegessen, Eiweiß und Fischöl zu sich genommen. Was machte das schon, noch ein bisschen durchzuhalten! Bis morgen. Aber die Uljana, die mit dem Zug und den durchgeknallten Soldaten nach Moskau gekommen war, die Sascha im Krankenhaus besucht hatte, war inzwischen irgendwie eine andere, eine nervöse.
Na schön, was soll's. Sie war zu Besuch gewesen – und das reichte jetzt. Sie legte den Kopf schief und sagte mit Nachdruck:
— Wieso ist er denn ein Leibeigener? Sascha ist selbst hingegangen.
Damit hatte ihr Onkel überhaupt nicht gerechnet. Sein strenger Lehrerausdruck verflog und fiel in sich zusammen, mit all dem Getue, das er veranstaltet hatte. Na, da hast du deine Ohrfeige, unterschreib mal.
— Wie meinst du das?..
— Wie ich das meine? Ganz wörtlich. Er hat einen Vertrag unterschrieben.
— Als Freiwilliger? Das sind doch die, die dafür bezahlt werden?
Er sah seine Frau fassungslos an. Die schnalzte nur mit den Lippen, selbst wie ein Fisch. Sie schüttelte den Kopf: Ich wusste es nicht, ich wusste es nicht, hieß das wohl … Na, jetzt wusste sie es ja. Wie lange sollte Uljana das noch in sich hineinfressen? Friss das.
— Du hast uns doch gesagt, er sei eingezogen worden … Sie haben mir gesagt, er sei eingezogen worden, wegen der Mobilmachung!
Uljana blinzelte, aber ihre Verwirrung hielt nicht lange an.
— Was haben denn die Geldzahlungen damit zu tun?
Onkel Maxim versuchte immer noch, sein Gesicht in den Griff zu bekommen, doch seine Hängebäckchen zitterten, und seine Augen waren rot und tränten vor mühsam unterdrückter Wut.
— Hier hat alles mit Geld zu tun! Hör auf, bei uns jetzt die unschuldige Dumme zu spielen! Wie viele Millionen stehen ihm denn zu? Fünf? Sieben?
— Wieso rechnest du das denn aus, Onkel Maxim? Sind das etwa deine?
— Gott sei Dank nicht meine …
— Uljana! Ich flehe dich an! Du darfst dich nicht aufregen …
Aber sie wollte jetzt keine Nachsicht, keine Schonung. Jetzt war es so weit, sie stand im Ring. In ihr war verdammt noch mal Khabib erwacht.
— Und was glaubst du, Uljanotschka, wofür man ihm so viel Geld zahlt? Fünf Millionen Rubel! So viel verdient man nicht einmal in einem ganzen Leben!
— Weil er sein Leben riskiert hat. Genau dafür ist das Geld.
— Als ob nicht alle möglichen Leute ihr Leben riskieren würden! Die Bauarbeiter da oben auf den Gerüsten klettern herum und riskieren es! Die bekommen doch auch nicht so viel bezahlt? Nein, darum geht es nicht.
— Sondern worum?
— Darum, Uljanotschka, dass er hingegangen ist, um andere Menschen zu töten, die ihm nichts Böses getan haben. Andere lebendige Menschen, die in ihrem Land, in ihren Häusern gelebt haben – er ist hingegangen, um sie zu töten und zu quälen. Er weiß doch, dass es schlecht ist, Menschen zu töten, dass es eine Sünde ist. So hat man ihn doch erzogen, oder nicht? Und dort sind doch Menschen wie wir! Ukrainer. Sie sprechen unsere Sprache, haben dieselben Vornamen und dieselben Nachnamen wie wir. Ihre Häuser sind genauso, ihre Möbel, ihre Teppiche. Und damit er nicht daran denkt, damit er keine Angst hat, sie zu töten, und sich nicht schämt, gibt man ihm so viel Geld. Fünf Millionen! Bei Gazprom verdienen die Leute nicht so viel! Weißt du, wer so viel bekommt?
— Wer? Na, wer?
— Auftragskiller! Gedungene Mörder!
Da platzte Uljana endgültig der Kragen: Sie sprang auf und starrte ihrem Onkel von oben herab in die Augen. Der Stuhl kippte um, das Glas fiel herunter, abgestandener Champagner lief über den Boden.
— Dafür ist er nicht hingegangen! — schrie sie. — Sie kennen ihn nicht, aber ich kenne ihn! Sascha ist doch kein Mörder! Er ist gutmütig! Er hat ein großes Herz! Er ist hingegangen, weil dort unsere Leute schikaniert wurden! Für sie ist er hingegangen!
— Für wen? Für welche Leute?
— Für die Russen, für wen denn sonst! Wissen Sie überhaupt, gegen wen sie dort kämpfen? Sie kämpfen dort nicht gegen die Ukrainer! Sie kämpfen gegen den ganzen Westen! Sie reden von einem Fleischwolf, dabei werfen sie doch die da hinein! Die einfachen Ukrainer! Sie hetzen sie auf unsere Jungs! Wissen Sie, unter welchen Bedingungen? Ihm haben sie die Beine abgehackt, und was sollen ihm da Ihre Millionen nützen?!
Tante Marina verbarg das Gesicht in den Händen und schwieg. Onkel Maxim stand ebenfalls auf – schüttelte seine ganze verdammte Gelehrsamkeit ab, die ihm sowieso schon längst aus allen Nähten platzte – und schrie einfach nur noch.
— Er ist doch selbst schuld, dass man ihm die Beine abgehackt hat, wenn er dort hingegangen ist! Wenn er es fürs Geld getan hat, ist er ein Idiot, und wenn aus Dummheit, dann auch! Schluss! Ich kann mir diesen Scheiß nicht länger anhören!
— Er hat seine Pflicht erfüllt! Seine Pflicht! Sie können das nicht begreifen, was? Natürlich nicht. Woher auch! Na schön. Guten Appetit.
Sie schoss hinaus wie eine Kugel und warf sich aufs Bett. Sie lag da und zitterte, ihr Puls lag wahrscheinlich bei zweihundert, das Herz hämmerte gegen die Rippen. Sie wusste, dass sie in diesem Streit noch das entscheidende Wort hätte nachschieben können, und hielt sich nur mit Mühe zurück, es laut auszusprechen. Denn dann wäre alles endgültig gewesen.
• • •
Marina schloss die Tür leise, vorsichtig, fest. Dann setzte sie sich auf ihren Platz, legte die Hände auf den Tisch und sah sie an. So gibt vielleicht irgendein Ingenieur auf, wenn er begreift, dass der komplizierte Mechanismus, den er zu reparieren versucht, nie wieder laufen wird und die Monate Arbeit vergebens waren. Maxim kannte diesen abwesenden Gesichtsausdruck: Marina schrie Maxim nie an, aber sie verstand es unvergleichlich gut, mit minimalem Aufwand ihre völlige Enttäuschung über ihn auszudrücken.
Manchmal traf ihn dieses Schweigen mitten ins Zwerchfell, viel härter, als ein offener Streit oder ein hysterischer Anfall es vermocht hätte. Doch jetzt wusste Maxim ganz sicher, dass er hundertprozentig recht hatte, also ließ er die Pause stehen.
— Sie ist schwanger von ihm, — flüsterte Marina.
— Noch schlimmer!
Er bellte es heraus, verlor aber für einen Moment das Gleichgewicht. Nun ergaben die Blicke, die die Frauen gewechselt hatten, all diese Geheimniskrämerei und bedeutungsschwangere Andeuterei und schließlich Uljanas hysterischer Anfall einen Sinn. Scham überkam ihn, doch er schob sie von sich: Was hatte ihre Schwangerschaft mit dem Kern ihrer Unterhaltung zu tun? Gar nichts!
— Man kann sie verstehen, Maxim.
— Nein! Nein, man kann sie nicht verstehen! — Er schüttelte hartnäckig den Kopf. — Was soll man daran verstehen, Marin?! Wie hängt das denn zusammen? Der eine geht fürs Geld töten, und die andere wird von ihm schwanger … Trennen wir die Fliegen von den Frikadellen!
— Aus weiblicher Sicht verstehen. Wenn du von einem Mann schwanger bist, wenn du ihn liebst, dann wirst du ihn natürlich immer rechtfertigen … — bat Marina. — Er gehört doch zu dir! Er kann nicht schlecht sein. Du bist doch ein feinfühliger Mensch, Maxik, wie kannst du das nicht spüren?
— Nein, nein. Nein, nein, nein. Einen Moment! Das ist nicht „Mama, ich liebe einen Gauner“, Marisch! Hier läuft etwas anderes! Sie hängen an jeder Laterne Werbung fürs Töten gegen Geld auf! Aus jedem Fernseher nennen sie es Heldentum! Hier wird die ganze Situation komplett auf den Kopf gestellt! Dabei ist es Mord! Im Grunde ist es Völkermord! Und ja, wir haben uns daran gewöhnt, darüber nicht mehr zu reden, und beachten diese Laternen gar nicht, aber jetzt halten sie es uns direkt vors Gesicht. Und sagen: Das ist normal. Töten ist normal. Morgen werden Konzentrationslager normal sein! Und dann wirst auch du sagen: Na ja, sie ist von einem Aufseher schwanger geworden, man kann sie verstehen?! Marin … Du weißt, ich fluche nicht gern, aber das ist so eine verdammte Scheiße. Ich will das nicht verstehen. Wenn du das verstehst, wirst du bald anfangen, dem zuzustimmen. Es ist nur ein Schritt dahin.
— Sie ist doch nur ein junges Mädchen …
— Sie ist dreißig! Was für ein junges Mädchen?! Und er ist bloß ein kleiner Junge, ja? Nein. Hör zu, als Mensch tut sie mir leid, dass sie in so einer Lage ist. Mit der Schwangerschaft. Okay, sie tut mir leid! Aber er nicht. Ich weigere mich, Mitleid mit ihm zu haben. Er hat das Geld genommen … Schluss! Und ich werde nicht dieses idiotische Nachgeben für Schwangere mitspielen. Geht das?
— Na ja, sie sind der Versuchung erlegen … Sie stammen beide aus armen Familien … Uljascha ganz bestimmt. Sie wurden doch in diese Falle gelockt. Er hat das Geld genommen, ja. Und? Die Leute hungern … Und dann kommt so ein Angebot … Wenn man sich bemüht, kann man es verstehen … Man sagt ihnen ja nicht: Geht hin und tötet, man sagt: Geht hin und verteidigt die Heimat. Die Heimat!
— Nein. Das kann man nicht! Es gibt Telegram, es gibt Kanäle. Wenn du keine unabhängigen Medien lesen willst, such auf Telegram danach, dann wird dir sofort klar, wofür dort das Geld gezahlt wird … Nein! Kein Verständnis für sie, kein Mitleid mit ihnen! Nein!
Maxim knallte mit der Faust auf den Tisch, das Geschirr hüpfte und klirrte erschrocken. Er spürte richtig, wie sein Blut durch ihn hindurchgepumpt wurde und kochte. Am liebsten hätte er auch irgendeinem Menschen mit der Faust ins Gesicht geschlagen. Wem? Na, Sascha – wenn der Beine hätte.
— Und was haben wir denn außer Mitgefühl? — Marina sah ihn trotzig an. — Was ist uns geblieben? Was macht uns überhaupt zu Menschen?
— Nein. Nein, so ist es nicht! Was ist uns außer Eindeutigkeit geblieben? Wie soll ich es dir noch erklären? Wir sind im Bauch des Ungeheuers, verstehst du? Wir kochen in seiner Magensäure. Und diese Säure ist die Uneindeutigkeit. Sie zersetzt uns. Und wenn wir uns nicht an das Einfachste halten – daran, dass es in der Welt ganz klar Gut und Böse gibt, Schwarz und Weiß, Erlaubtes und Unerlaubtes –, wenn wir ihren jesuitischen Thesen zustimmen, wenn wir anfangen, die Welt in fünfzig Grautönen zu sehen, dann war's das mit uns, dann sind wir erledigt, wir werden aufgeweicht und zu ebenso formlosen Fetzen wie alles, was in diesem stinkenden Brei an uns vorbeischwimmt. Genau so kriegen sie uns: Sie zwingen uns dazu, es anzunehmen, koste es, was es wolle; dann bieten sie uns diese Perspektive, dann jene, bis sie einen Blickwinkel finden, aus dem Mord angeblich nicht mehr wie Mord aussieht, sondern wie etwas anderes, etwas Akzeptables. Dabei ist das unmenschlich!
Maxim lief in der Küche auf und ab; der verschüttete Champagner verbreitete einen säuerlichen Gestank, der halb aufgegessene Fisch lag herum, als würden er und Marina tatsächlich im Magensaft irgendeines Wesens planschen. Er starrte aus dem Fenster, um seine Frau nicht ansehen zu müssen; dann genauer – statt des Fensters war da ein dunkles Aquarium, in dem sie beide eingesperrt waren und herumstießen; von Moskau war nichts geblieben.
— Unmenschlich ist es, nicht zu verzeihen, Maxim. Menschen so inquisitorisch zu verurteilen, das ist unmenschlich. Ohne ihnen die Möglichkeit zur Reue zu lassen.
— Das ist alles Demagogie, Marina! Niemand dort hat vor, Reue zu zeigen, hast du das nicht gehört? Ich verstehe nicht, warum du auf ihrer Seite bist. Warum nicht auf meiner? Wisch endlich den Champagner auf, warum leben wir in einem Schweinestall?!
— Dann wisch du ihn auf. Wisch ihn auf, Maxim. Wisch den Champagner weg. Warum kommandierst du immer mich herum? Was nennst du einen Schweinestall? Ich bin es übrigens, die hier für Ordnung sorgt. Die ganze Zeit. Und auch hier, — sie tippte sich mit dem Finger an die Schläfe. — Du weißt das. Und ich bin nicht auf ihrer Seite. Weißt du einfach, wie viele meiner Bekannten sich mit ihren Kindern, ihren Eltern, ihren Männern dermaßen zerstritten haben? Unzählige! Wegen der ganzen Situation, wegen des Krieges! Was hältst du für wichtiger – diese ganze Rhetorik oder dass die Familie zusammenhält? Mir ist, verzeih bitte, die Familie wichtiger. Denn die Familie ist etwas Wirkliches, sie ist das Leben. Und dafür muss man, ob man will oder nicht, Kompromisse eingehen.
Maxim ging zum Spülbecken, packte einen Lappen und begann, die klebrige, saure Pfütze voller Hass wegzuschrubben.
— Bitte schön. Ich wische es auf. Macht mir nichts aus. Na sieh mal einer an, offenbar ist sie hier ganz allein für Ordnung zuständig, wer hätte das gedacht … Kompromisse … Aber sag mal … Ist das so ein Kompromiss wie die Porträts der „Helden der militärischen Spezialoperation“ an den Haltestellen zum 9. Mai, damit man seinen Job behält? Oder nicht? Wo wir schon mal davon reden. Ich wollte damit nicht anfangen, aber du hast selbst …
— Maxim …
— Und den Schülern bei Marmeladenfestivals vom befreiten Mariupol zu erzählen, obwohl du weißt, wie vielen dieser Schüler dort … Ist das auch so ein Kompromiss?
— Das ist nicht fair!
— Nicht fair? Oder vielleicht doch fair? Zu Hause haben wir all diese Mantras heruntergebetet: Krieg ist böse, Krieg ist schlecht, das Land schlittert in den Abgrund, und irgendwie sind wir anständige Menschen geblieben, irgendwie auf der richtigen Seite der Geschichte. Nur gibt es da noch die Arbeit – aber das ist ja rein dienstlich! – da erzählen wir Schülern, wie glücklich die Kinder in Mariupol sind! Wir versüßen ihnen die Sache mit Marmelade und stopfen sie damit voll, und sie verstehen nichts und essen brav. Wir wissen ja, was vor dem Mariupoler Dramatheater auf dem Asphalt stand, als unsere Luftwaffe es dem Erdboden gleichgemacht hat, aber die Schüler wissen es nicht – und werden es auch nicht erfahren. Mariupol wird für sie von nun an mit Marmelade verbunden sein. Stimmt's? Wenn man darüber nachdenkt, ist es so. Genau dafür haben wir die Marmelade mit städtischen Mitteln gekocht. Aber wir wollen lieber nicht in diese Richtung denken und uns eine andere Geschichte ausdenken: dass die Zeiten schwierig sind, dass die Leute depressiv sind, dass man sie irgendwie trösten muss, und dass Feste und Festivals gut sind. Wir essen die Marmelade am besten gleich selbst. Wir haben Moskau in eine Gartenstadt verwandelt, zehntausend Bäume in Kübeln hergebracht! Aber was in den Kellern dieser Gartenstadt passiert – oder, wie man jetzt gern sagt, auf den Kellern … Na, da schauen wir lieber nicht hin! Wir schauen dorthin, wo die Blümchen sind und alles schön aussieht! Das sind deine Kompromisse, Marin! Und nebenbei verlieren wir auch den Auftrag vom Bürgermeisteramt nicht; ach was, der nächste wird noch fetter, weil wir diesmal so großartig abgeliefert haben! Das ist ehrlich. Lass uns wenigstens uns selbst gegenüber ehrlich sein!
Marina hatte sich seine ganze Tirade von Anfang bis Ende angehört, wandte sich ab, stand dann auf und begann, den Tisch abzuräumen. Sie schabte den zerfledderten Fisch in den Eimer, ließ das Geschirr krachen und zerbrach ein Weinglas. Sie fing an zu weinen. Er hatte sie also doch zum Weinen gebracht. Das, was in ihm brodelte und tobte, verlangte danach, sie so weit zu treiben, sie fertigzumachen, bis sie schluchzte, denn ohne ihre Tränen konnte er sich nicht entladen; eine Million Volt statischer Spannung wären in ihm zurückgeblieben, an der stickigen Luft hätte er das Bewusstsein verlieren können. Doch nun donnerte es, blitzte auf, strömte heraus, und sofort konnte er wieder leicht atmen. Und sobald sie losgeweint hatte, kam Maxim zur Besinnung und erschrak.
— Verzeih mir, — sagte er mit einer anderen Stimme, wieder mit seiner eigenen. — Das wollte ich nicht.
— Doch, das wolltest du. Du wolltest mir das schon lange sagen, ich weiß es. Glaubst du, ich merke nichts, begreife nichts? Ich hab's verdient. Aber was kann ich schon tun? Bald wird es gar nichts mehr geben, in das sich die Politik nicht eingemischt hat. Wohin soll ich denn? Entweder so oder ohne Arbeit. Glaubst du, ich frage mich nicht jedes Mal: Bin ich gerade über die Grenze gegangen oder noch nicht? Und sie bereiten einem das so weich vor, verstehst du? Da sind ja auch Menschen, die nicht unbedingt dafür sind, es ist einfach ihr Job. Normale Menschen. Jeder hat so einen Job, und alle schubsen einander nach und nach hinein. So raffiniert ist das eingerichtet. In den Kübeln mit den Bäumen steckt doch nichts Schlimmes, oder? Wenn man sie einzeln betrachtet. Die Stadt wird schöner, entschuldige den Ausdruck – was ist daran kriminell? Und an der Marmelade an sich.
— In Auschwitz hat nur ein einziger Mensch Tausende andere direkt mit Zyklon B vergast, weißt du? Und er war ein jüdischer Häftling. Alle anderen haben bloß den Ablauf organisiert … — sagte Maxim zu ihr. — Glaub nicht, dass ich das nur dir sage … Ich sage es auch mir selbst.
— Dann sag es dir selbst. Warum kommst du ständig mit diesem armen Juden an? Und wohin wirst du selbst bald müssen? Ja, Maxim, ein Kompromiss. Und du weißt selbst, was mich dieser Kompromiss kostet … Du weißt, dass ich ohne Tabletten schon nicht mehr funktionieren kann … Warum verhörst du alle?
Maxim fing sie auf, sie wand sich aus seinem Griff, er versuchte, sie zu küssen, sie wehrte sich. Da umarmte er sie fest, wie ein Ringer seinen Gegner.
— Bitte verzeih mir … Wirklich, verzeih. Ich bin einfach sehr müde. Ich bin müde.
Dann wurde Marina still – aber sobald er sie losließ, rückte sie sofort von ihm ab.
— So geht das nicht, Maxim. Wir müssen weiterleben. Einfach weiterleben! Verstehst du?
• • •
Einschlafen konnte sie natürlich nicht, und das Zimmer verlassen konnte sie auch nicht. Uljana hatte sich in die hinterste Ecke des Betts verkrochen, am weitesten von der Tür entfernt, und sich ganz zusammengerollt, als würde gleich das Sondereinsatzkommando hereinstürmen. Aber niemand kam. Sie wollten sich nicht mit ihr versöhnen, hatten nicht vor, um Verzeihung zu bitten.
Warum hatte er sich gleich am Geld festgebissen? Was ging ihn das Geld an? War er etwa neidisch? Sie selbst lebten in solchen Palästen, gingen jeden zweiten Tag ins Restaurant, und gleich hieß es: Millionen, Millionen. Noch bevor Sascha ihr alles erklärt hatte, wusste Uljana schon, dass er nicht deswegen hingegangen war; er hatte doch keine Ahnung von Geld, der Dummkopf.
Uljana streckte sich aus und schloss die Augen. Sie dachte, dann würde es dunkel werden, aber vor ihrem inneren Auge tanzten die Küche und Onkel Maxim mit seinem verzerrten Gesicht, als er sie angebrüllt hatte. Er war richtig wild geworden, als er vom Vertrag hörte. Uljana wusste, dass ihm dabei die Sicherungen durchbrennen würden, na und, denn sie wollte es vor den Moskauer Verwandten nicht verheimlichen, wollte sich dafür nicht schämen.
Fürs Töten! Wen hatte er dort überhaupt umgebracht? Seine Hände waren doch aus dem Arsch, er konnte nicht mal jemandem richtig eine verpassen. Jedes Mal, wenn er Uljana in der Dunkelheit nach Hause brachte, war er ganz verkrampft; die Jungs aus dem Hof grüßten sie, und ihm waren hinterher vor Angst die Hände schweißnass. Millionen … Und was ist es wert, Onkel Maxim, wenn du in die militärische Spezialoperation gehst, wo sie doch im Krieg töten und getötet werden, aber du eben nicht anders kannst, weil du begreifst, dass du nicht zu Hause bleiben darfst, weil du dich für dein Land einsetzt, weil es sein muss, weil es irgendwer tun muss – wie die Jungs damals im Zug, glaubst du daran, dass die hierherkommen, wenn du nicht hingehst, egal ob es Amerikaner sind oder nicht, und deshalb unterschreibst du den Vertrag. Und der Staat? Soll der Staat dann die Frauen und Kinder ohne Brot dastehen lassen? Was wäre das denn für ein Staat? Sie zahlen, ja, sie zahlen – sie zahlen, damit die, die kämpfen, wissen, dass ihre Familie, falls etwas passiert, nicht betteln gehen muss, dass genug da sein wird, um die Kinder wenigstens großzuziehen. Und so viele Millionen sind es auch wieder nicht, bei den ganzen Preissteigerungen, und das Geld wird immer weniger wert. Heute denkt man: „Wow, verdammte Scheiße! Fünf Millionen!“ Und morgen kann man sich davon weder eine Wohnung noch ein Auto noch überhaupt irgendwas kaufen. Na und? Nein, es ist gerecht, dass sie zahlen, und gut, dass sie einen nicht im Stich lassen. Was ist denn besser: dass der Leuten das ganze Öl-Geld zahlt oder dass sie damit weiter ihre Paläste bauen? Es ist gerecht, dass es endlich bei den Leuten ankommt, das ist nur fair. Die Menschen haben in ihrem Leben noch nie so viel Geld gesehen, ganz anders als ihr hier in Moskau. Was willst du uns denn mit deinem Maßstab verurteilen? Was versteht ihr denn mit eurem Kirjuschenka schon? Der ist einmal nach Wologda gefahren, aufs Land, um einen echten lebenden Hahn anzuschauen. Natürlich braucht der das Geld nicht, sein Vater arbeitet ja in Moskau, hat sein eigenes Geschäft, und seine Mutter ist auch beschäftigt. Und was verdienen die Leute denn in Moskau? Sei noch froh, dass ich dich nicht an deiner empfindlichsten Stelle getroffen habe; mir reicht die Staatsanwältin in Wologda schon, und jetzt willst du mich auch noch fertigmachen. Du hast so einen Riesen großgezogen, einen Trottel, der jede Nacht ohne Unterbrechung in Clubs geht. Wahrscheinlich hast du sogar bezahlt, damit der Musterungsarzt sein Gedächtnis verliert – ob ein Einberufungsbescheid da war oder nicht. Und wie soll ich denn mein Sahnehäubchen großziehen, sag du's mir?
Morgen zeige ich Sascha das Foto, der wird Augen machen. Der Schleier ist natürlich total schräg, aber irgendwie auch ganz witzig. Ich muss noch Champagner besorgen, das sind wieder hundertfünfzig Rubel. Gleich morgens gehe ich los. Und Süßigkeiten für ihn auch noch; Alkohol darf er wahrscheinlich nicht. Und übrigens erzähle ich ihm den Witz davon, wie der Typ da drin die Praline gekostet hat.
Sie lag da. Na, war’s das? Trotzdem zog es ihr im Bauch. Fisch, kein Fisch …
Sie nahm das Handy, tippte sich ein bisschen durch, aber ruhiger wurde ihr nicht. Reels und TikToks gingen ihr auf die Nerven; sie hatte einfach weder Lust zu lachen noch Interesse daran. Ihre Seele war wie ein leeres Euter: Drück, so viel du willst, es tat nur weh. Nein, da musste doch noch irgendwas anderes sein, im Handy. Da gab’s doch alles Mögliche, wenn man danach suchte. Sie fing an, nach diesen Namen zu suchen. Wie hieß das noch? Medusa? Sie hatte es sich gar nicht merken wollen und doch behalten – schon der Name war glitschig. Sie fand nichts. Sie überlegte, schaltete das VPN ein und suchte über die KI, über den Chatbot.
Der Chatbot empfahl ihr diese Seite.
Ganz oben stand sofort: KRIEG, TAG EINTAUSENDZWEIHUNDERTEINUNDDREISSIG, alles in riesigen Buchstaben, alles rot. Und Nachrichten – Jahrestag des russischen Raketenangriffs auf das Kinderkrankenhaus Ochmatdyt. Fotos vom brennenden Krankenhaus, von Rettungskräften auf den Trümmern, Fotos von Säulen fetten Rauchs; bei Uljana zog sich etwas zusammen, ein Schauder stieg in ihr auf. Moment mal, das war doch schon damals, aber was gibt’s Neues – hier, die Städte Belizkoje und Rodinskoje seien von FAB-Bomben getroffen worden, zwei Frauen seien gestorben, sieben verletzt … Na, toll … Dann klickte sie noch auf ein paar Links, und da wieder: Russland bombardiert, Kiew brennt, Hochhäuser, Namen von Stadtvierteln, die ihr nichts sagten, aber die Häuser sahen genauso aus wie irgendein Wohnblock in Odinzowo, wie in den Moskauer Randbezirken. Raketen hätten ein Wohnhochhaus getroffen, wieder brannte es, wieder Rauch, wieder Rettungskräfte. Richtig Drama, Drama! Und wieso bombardiert bei euch immer nur Russland? Kämpft da etwa nur eine Seite? Dann noch ein Link – und sie landete bei einer Nachricht über Mariupol, Russland baue dort irgendwas wieder auf, na bitte, das ist doch gut! Aber dann fingen sie an, das mit dem zu vergleichen, was alles zerbombt worden war, als die Stadt gestürmt wurde – eine schwarze, tote Stadt, von ganzen Vierteln standen nur noch Gerippe. Diese Schwärze kroch direkt aus dem Bildschirm in Uljanas Augen, sammelte sich dort, tropfte ihr ins Sonnengeflecht und stieg ihr bis zur Kehle. Und da war noch ein Link darüber, wie das Leben an der Front aussieht, und obwohl sie nicht wollte, musste sie lesen. Über Verwundete, die nicht abgeholt werden, über ukrainische Gefangene, die erschossen werden, über die Abgaben, die Kommandeure den Soldaten abknöpfen. Na klar, als würden sie dort keine Abgaben verlangen, oder was?
Natürlich ging es dort nicht nur um Bombardierungen. Da stand auch, dass irgendwo jemand wegen Hochverrats verhaftet worden war, dass irgendwo jemand beim FSB Anzeige gegen jemanden erstattet hatte, dass irgendwo jemand wegen eines Reposts festgenommen worden war, weil er sich gegen die Spezialoperation ausgesprochen hatte, fast schon wegen Likes – so schrecklich sei es bei uns zu leben, man könne buchstäblich nicht mehr atmen.
Sie las und las, las und las – dann hatte sie die Nase voll. Na, schön, sammelt hier nur Nachrichten darüber, was für ein Dreck wir Russen sind. Und wo habt ihr den Artikel versteckt, dass ukrainische Drohnen unser Werk getroffen haben? Sie bombardieren uns, und wir sollen still sein und die Klappe halten? Sind wir etwa Fußabtreter? Schon klar, was es mit eurem „Meduza“ auf sich hat, den Rest kann man sich im Grunde auch sparen. Natürlich haben wir alles angefangen, wir machen weiter, wir bombardieren, wir sind Satan, wir sind Hitler, wir erschießen Kriegsgefangene und vergewaltigen Zivilisten, und für Reposts gibt’s bei uns lebenslänglich! Na, was soll man dazu noch sagen, so sind wir eben, von Natur aus Bestien! Das sollen also deine vernünftigen Nachrichten sein, Onkel Maxim? Das hier ist doch genau die beschissene Propaganda, wenn man einem so einen ganzen Haufen Scheiße vor die Füße kippt! Wollt ihr nichts über die Gründe für die Spezialoperation sagen? Ihr wollt uns alle bloß mit Scheiße beschmieren – na, ihr seid ja ganz toll, echt großartig!
Sie machte „Meduza“ zu, damit es nicht mehr stank. Gut, dass man euch zum Teufel gebannt hat, denn das ist doch keine Information, das nennt man Manipulation. Alles klar mit euch. Schön begriffen. Wenn du, Onkel Maxim, mit deiner schlauen Miene dasitzen willst, als wüsstest du die ganze Wahrheit, dann sitz halt da, aber in deinem Kopf wimmelt’s von Würmern. „Die Wahrheit!“ Ja, klar, verdammt.
Sie ließ die angestaute Schwärze in den Raum hinaus, spülte sie weg – irgendwie ging es ihr danach besser.
Na gut. Zum Teufel mit ihnen allen. Warum sollte Uljana das alles in sich hineinlassen? Morgen war ein großer Tag, da musste sie sich lieber auf etwas Schönes einstellen. Sie hatte alles vorbereitet, das Ultraschallbild dem stellvertretenden Chefarzt geschickt, für zwölf Uhr hatten sie zugesagt … Ein weiterer Dorn im Auge: Sashas Mutter. Wie sollte sie sie morgen anlügen? Aber darum würde sie sich morgen kümmern. Und was sollte sie überhaupt lügen? Vielleicht musste sie gar nicht mehr lügen. Sie könnte es einfach sagen, wie es ist: Entschuldigen Sie, Tanja Nikolajewna, bei dem, wie Sie mich damals behandelt haben – was hätte ich denn Ihrer Meinung nach denken sollen? Sollte ich etwa ein Risiko eingehen? Hier, sehen Sie sich das Bildchen an, wollen Sie Ihren Enkel nicht sehen? Dabei waren Sie es doch, die mir vorgeschlagen hat, ihn auskratzen zu lassen. Habe ich es also richtig gemacht, dass ich nicht auf Sie gehört habe? Oder falsch? Sehen Sie nur, schauen Sie hin, wenden Sie sich nicht ab. Er liebt Süßigkeiten, genau wie Ihr Sohn. Sollte ich für die beiden etwa ein Risiko eingehen? Hätten Sie sich mir gegenüber anders verhalten und normal mit mir geredet, hätte ich es damals nicht tun müssen, wäre mir das gar nicht in den Sinn gekommen. Und als Sie uns dann großzügig Ihre Mercedeschen angeboten haben, brauchten wir sie nicht mehr. So ist das Leben: Jeder ist sich selbst der Nächste, eine zweite Chance gibt’s nicht. Also verpissen Sie sich mit Ihren Ansprüchen. Was mir zusteht, damit ich das Kind großziehen kann, das steht mir eben zu. Das habe nicht ich entschieden, das entscheidet der Staat. Und überhaupt, warum sollte ich? Wir sind alle erwachsene Menschen, wir haben beschlossen zu heiraten, also heiraten wir. Ich verführe doch keinen Schuljungen. Um Erlaubnis bitten? In welchem Jahrhundert leben wir? Zumal wir schon gefragt haben und Sie uns weggeschickt haben, Sie erinnern sich doch bestimmt, Tanja Nikolajewna, wohin. Und jetzt plötzlich so ein Schachzug – halten Sie schon mal Ihr Panama bereit.
Sie wickelte sich ins Laken und wickelte sich wieder aus, mal war ihr kalt, mal war ihr heiß. Irgendwie schickte sie ihrer Mutter das Ultraschallbild. Keine fünf Minuten später rief die zurück.
— Ist das deiner, oder was?
— Na, wessen denn sonst, Mama?
— Wie süß er ist, das gibt’s doch nicht! — Mama jammerte vor sich hin und weinte beinahe.
— Mama … Und wenn … Hilfst du mir dann mit ihm? Falls ich da vielleicht allein bin.
Sie dachte eine Weile nach und sagte dann:
— Du musst ihn auf jeden Fall behalten, Uljascha. Wenn’s sein muss, ziehen wir ihn eben zu zweit groß. Du weißt doch, mein Schatz, wie lange ich mir schon einen Enkel wünsche. Bring ihn nur zur Welt, den Rest schaffe ich dann schon selbst.
— Na gut, Ma.
Danach fühlte sie sich ein bisschen ruhiger.
Schon halb im Delirium hörte sie, wie Kirill von seinen Ausflügen zurückkam und wieder irgendwas ins Telefon säuselte und schnurrte, während er im Flur auf und ab ging; Tante Marina fütterte ihn dort wohl auch noch. Es dauerte ewig, bis endlich Ruhe war. Sie wollte so gern so schnell wie möglich das Bewusstsein verlieren, damit es schon morgen wäre. Wie lange sollte das denn noch dauern?
• • •
Sie bringt ein Kind zur Welt, als würde es wirklich passieren, und spürt den Schmerz ganz echt, so wie man ihn bei einer Geburt spürt; irgendwie kennt sie ihn. Um sie herum stehen alle – Kolka der Rotschopf aus der Schule, Dentschik, Stas – na ja, kurz gesagt, alle von der Liste. Und gleich daneben Sascha, beide Beine hat er noch, sie haben ihn geheilt. Die Geburt leitet dieser unheimliche Typ aus dem Salon, der Kunde, wegen dem Uljana ihren Job verloren hat. Das Baby kommt langsam, schwer und es ist unanständig, dass so viele Männer herumstehen und zusehen. Bei einer Geburt sollte doch nur einer dabei sein – der Vater –, was machen die anderen hier? Dieser Kunde aber, der ist nackt, so wie er damals im Flur zu ihr und Kristinka herausgekommen ist, verkündet, dass der Kopf zu sehen ist. Man hört ein Baby weinen, Gott sei Dank, sie presst weiter, und dann sagen sie: Das war’s, herzlichen Glückwunsch! Sie geben ihr das Baby. Sie will sehen – wer ist es, ein Junge? Wird Sascha also einen Sohn haben? Sie schaut hin – und der Kleine hat keine Beine. Das eine ist bis zum Knie abgetrennt, das andere fast ganz.
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Verschlafen.
Sie hatte den Wecker auf acht gestellt, aber um acht tippte sie im klebrigen Dunst mechanisch aufs Handy, damit es Ruhe gab. Eine weitere Stunde vertrödelte sie in diesem Brei, und als sie gerade aufwachte, sah sie schon dieses Bild. Es war, als hätte man sie mit eiskaltem Wasser übergossen; sie sprang sofort auf.
Sie rannte, um sich zu waschen.
In der Küche saßen Kirill und Onkel Maxim noch immer da, als wären sie gar nicht weggegangen, und schnäbelten miteinander. Sie murmelte ihnen etwas Unverständliches zu und schloss sich im Bad ein. Sie räusperte sich und rief Lescha auf dem Handy an: Sie wollte Sascha einen guten Morgen wünschen und sagen, dass sie gleich losfahre.
— Na, hallo, Schwägerin. Er ist nicht da.
— Wie, nicht da? Wo ist er? — Uljana war verwirrt.
— Sie haben ihn zur OP gebracht. Gleich heute früh.
— Wie bitte?! Die OP war doch für Donnerstag angesetzt!
— Warum schreist du mich denn an? Was soll ich denn machen? Sie haben sie eben vorverlegt.